Geschirr statt Halsband


 

Können Sie sich vorstellen, sich von einem Freund ein kurzes Wegstück an einer Schnur führen zu lassen, die an Ihrem Hals befestigt ist?

 

Natürlich nicht! Sie würden die Schnur lieber festhalten oder eventuell noch um den Bauch binden. Die Erklärung läge auf der Hand: „Mein Hals ist doch dafür viel zu empfindlich!“ würde Sie sagen. Und Sie haben absolut Recht!

 

Und bei Ihrem Hund ist das genauso, denn in seinem  Aufbau entspricht der Hals des Hundes dem des Menschen:

  • an der Vorderseite befinden sich druckempfindliche Organe wie Kehlkopf und Schilddrüse,
  • durch ihn laufen lebenswichtige Versorgungsbahnen wie Luft- und Speiseröhre sowie die Halsschlagader und
  • die Wirbelsäule, in der das Rückenmark verläuft, ist am Hals besonders empfindlich gegen Rucken und Reißen, weil am Hals kaum Muskeln oder Fettpolster zu ihrem Schutz vorhanden sind. 

Trägt Ihr Hund ein Halsband und befestigen Sie die Leine daran, so kann jede plötzliche Bewegung an der Leine, sei es eine unbedachte oder gewollte von Ihnen oder eine schwungvolle ihres Lieblings, für ihn schmerzhaft sein oder sogar zu schweren Verletzung führen!

 

Bedenken Sie also folgende Konsequenzen, wenn Sie Ihren Hund am Halsband spazieren führen. Jeder Ruck, jedes  Ziehen und Zerren an der Leine

 

  1. verursacht immer Schmerzen im Kopf-Hals-Bereich Ihres Vierbeiners.
  2. kann seine Halswirbelsäule ernsthaft verletzen – es besteht sogar die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls oder eines Wirbelbruchs.
  3. führt zu Verspannungen seiner Halsmuskulatur. Die Folge sind Blockaden, die beim Hund starke Kopfschmerzen verursachen können.
  4. schädigt das Schilddrüsengewebe. Ihr Hund kann auf lange Sicht an einer Schilddrüsenunterfunktion erkranken.
  5. quetscht den Kehlkopf. Ihr Hund bekommt keine Luft und hat starke Atemnot - manche Hunde beginnen regelrecht zu röcheln. Starke Atemnot verursacht Todesangst!
  6.  kann zu Fehlverknüpfungen führen. Sieht Ihr Hund in der Sekunde, in der er durch einen Leinenruck Schmerzen erfährt, gerade einen anderen Hund oder ein Kind, so verknüpft er den Schmerzreiz mit dem Gesehenen.  Ein neues Problem ist geboren!
  7. erhöht den Augeninnendruck und unterbindet die Blutversorgung des Gehirns.
  8. stresst Ihren Hund. Ein gelassener und harmonischer Spaziergang oder ein fröhliches Erkunden der direkten Umgebung ist unter Stress und Schmerzen nicht möglich.

Beschummeln Sie sich nicht selbst mit Ausreden, dass der Hund ja „eh fast immer frei läuft“ oder dass er sich sein Geschirr „so ungern anziehen“ lässt.

 

Auch wenn Ihr Hund nur eine winzige Zeitspanne am Tag an die Leine läuft, so wird es in dieser kurzen Zeit zwangsläufig auch Momente geben, in den Sie mal unaufmerksam sind oder Ihr Hund mal ungestüm ist. Und dann gibt es eben unweigerlich einen Ruck am Hundehals – mit den genannten Konsequenzen.

 

Also kaufen Sie Ihrem vierbeinigen Liebling beim Fachmann ein gutsitzendes Geschirr  oder lassen Sie ein hübsches maßschneidern –  das kostet meist gar nicht viel mehr als ein Markengeschirr. Und befestigen Sie die Leine stets am Rückensteg des Geschirrs und nicht am Hals des Hundes!

 

Verwenden Sie ein Geschirr, das für den Hund leicht anzuziehen ist (z.B. ein Doppel-T-Geschirr) und beachten Sie, dass seine Schulterblätter frei beweglich bleiben und die Ellenbogen nicht an den Gurtbändern scheuern.

 

Üben Sie das Anziehen des Geschirrs in Ruhe mit Ihrem Hund: verwenden Sie Leckerchen, um das „Kopf durch den Halsring stecken“ attraktiver zu machen und beugen Sie sich beim Anziehen nicht über den Hund. Wenn Sie Ihren Hund bereits auf den Clicker konditioniert haben, können Sie das Kopf Geschirranziehen auch clickern - wie das gehen könnte sehen Sie im Video von Hey Fiffi. Sie werden sehen: mit ein bisschen Geduld und Routine wird das Geschirranlegen zum Kinderspiel.

 

Übrigens: es ist ein Märchen, dass ein Hund weniger an der Leine zieht, wenn diese an einem Halsband befestigt ist! Die für den Menschen so logischen Verhaltenskette „ der Schmerz, der durch das Ziehen an der Leine ausgelöst wird, kann einfach dadurch unterbunden werden, dass nicht mehr gezogen wird“  ist für ein Hundehirn nicht zu leisten. Ein normaler Hund wird immer versuchen, dem Schmerz am Hals durch eine Flucht nach vorne zu entkommen. Was also passiert ist, dass der Hund noch mehr zieht.

 

Die bessere Methode, eine perfekte Leinenführigkeit zu erreichen, ist eine gute Kooperation mit einem trainierten Hund.

 

Sind Sie es leid, dass ihr Hund an der Leine zieht? Verzweifeln Sie nicht, sondern erlernen Sie bei bellosophie das Führsignal nach Turid Rugaas! Sie werden erleben, dass Ihr Hund mit etwas Geduld und Übung in kürzester Zeit lernen kann, perfekt an der Leine zu gehen!

 

Copyrigh: Bettina Füssel, Bellosophie, Juli 2017