Bällchen-Spiel macht süchtig, krank und asozial


Viele Hundebesitzer sind davon überzeugt, dass das Bällchenwerfen den Hund glücklich macht und ihn auslastet. In seinen Augen sieht der Vierbeiner ja auch so fröhlich aus, wenn er das Wurfobjekt mit großem Eifer und enormen Enthusiasmus schwanzwedelnd zurückbringt und scheinbar freudig und ungeduldig auf den nächsten Wurf wartet.

 

Viele wissen aber nicht, dass das Bällchenspiel leider nur negative Auswirkungen auf den Hund hat, denn "dem Bällchen hinterher rennen" ist nichts anderes als ein ständiges Jagen.

 

Hunde sind Sichtjäger und alle bewegten Objekte lösen bei ihnen ganz automatisch und reflexartig ein Jagverhalten, in diesem Fall das Verfolgen, aus. Bei der Jagd wird im Raubtier stets eine starke Körperreaktion ausgelöst. Soll die Jagd erfolgreich sein, müssen alle Sinne geschärft und der Körper in höchste Leistungsbereitschaft gesetzt werden. Um diesen Zustand zu erreichen, wird der Körper von Stresshormonen (erst Adrenalin und dann Cortison) überflutet. Diese Hormone brauchen eine ganze Zeit bis wieder sie abgebaut werden (Adrenalin einige Stunden, Cortison einige Tage und Wochen). Werden sie nicht abgebaut, dann häufen sie sich immer weiter im Körper an. Verweilen die Stresshormone zu lange in zu hohen Mengen im Körper, dann wird der Organsimus stark belastet und alle Organe nehmen Schaden.

 

In der Natur findet ein ständiges Jagen niemals statt. Nach erfolgreicher Jagd wird gefressen und der Körper kommt für viele Stunden oder Tage zur Ruhe. Er hat also genug Zeit, um die ausgeschütteten Hormone wieder abzubauen. Nicht so beim täglichen Bällchen-Spiel: bei jedem Wurf lösen Sie eine neue Hormonausschüttung bei Ihrem Hund aus und der Stresshormonespiegel wird weiter und weiter in die Höhe getrieben.

 

Häufige Wurfspiele beeinflussen massiv das Verhalten Ihres Hundes und können seine Gesundheit unter Umständen erheblich beeinträchtigen:

  • Stresshormone und die beim Jagderfolg ebenfalls ausgeschütteten Endorphine (körpereigene Opiate) machen schnell süchtig. Der Hund wird zum Balljunkie: es gibt nichts wichtigeres als der Ball! Hat der Mensch das Wurfobjekt in der Hand, wird alles andere ignoriert und es gibt keinen andere Interessen mehr.
  • Jagen ist ein selbstbelohnendes Verhalten, d. h. die Ausführung dieses Verhaltens bestärkt den Hund darin, es immer wieder und wieder zu tun. Die Natur hat dies so eingerichtet, damit das Raubtier das Jagen trotz einer eventuell niedriger Erfolgsquote niemals aufgibt, denn nur das sichert das Überleben. Wird selbstbelohnendes Verhalten unnatürlich oft wiederholt und extrem häufig abgerufen, dann entwickelt es sich beim Tier zu einem Zwangsverhalten. Der  Hund MUSS dann dem Ball hinterherjagen und kann sein Verhalten nicht mehr steuern.
  • ist der Hund ein Balljunkie, werden alle runden Obkjekten meist aggressiv verteidigt. Artgenossen sind keine Sozialpartner mehr, sondern nur noch mögliche Konkurrenten um den "geliebten" Ball. Beim "Spiel" hat der Hund kein Interesse am Austausch mit und keine Zeit für eine Kommunikation mit Artgenossen. Das Bällchenspiel macht einsam und asozial.
  • das regelmäßig wiederholte Ausschütten und das lange Verbleiben der Stresshormone im Körper schädigt den Organismus auf vielfältige Weise (Buchtipp: Stress bei Hunden; Nagel/ v.Reinhardt), vor allem aber zerstört der ständige Stress das Gehirn. Bällchenwerfen senkt damit auch die geistige Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit Ihres Hundes und macht ihn auf lange Sicht hin dumm.
  • das Hinterherjagen hinter dem fliegenden Ball fördert massiv das Interesse an allen bewegten Objekten. Je mehr man durch das Bällchenspiel das Hinterherjagen trainiert, desto häufiger werden auch Autos, Jogger, Radfahrer und Vögel verfolgt. Sie trainieren mit dem Bällchenspiel bei ihrem Hund also verstärkt unerwünschtes Jagdverhalten zu zeigen!
  • zu guter Letzt muss auch darauf hingewiesen werden, dass die vielen schnellen Bewegung des Hundes beim Bällchenspiel - insbesondere beim Auffangen des Balls - den Körper sehr belastet. Es kommt es zu Verrenkungen, manche Hunde springen hoch und landen hart auf dem Boden, und auch beim starken Abbremsen wird der Körper extrem gestaucht. All das schädigt massiv die Gelenke ihres Vierbeiners.

Lasten Sie Ihren Hund lieber artgerecht mit Nasenarbeit und Köpfchen aus! Lassen Sie ihn Leckerchen suchen, Objekte oder Menschen aufspüren, geben Sie ihm Knobelaufgaben oder machen Sie Auspackspiele.

 

Sie haben keine Ideen, wie Sie Ihren Hund sinnvoll beschäftigen sollen?

Kontaktieren Sie mich! Ich versorge Sie mit vielen Anregungen zur artgerechten Beschäftigung, die Ihnen und Ihrem Hund Spaß machen und ihrem Vierbeiner nicht schaden, sondern ihn ausgeglichener machen und Ihrer beider Beziehung stärken.

 

 Copyrigh: Bettina Füssel, Bellosophie, Juli 2017